Freitag, 11.7.2003
Die große Reise beginnt!
Der Flug von Düsseldorf nach London ist nett, vor dem Landeanflug müssen wir ein bisschen in der Warteschlange kreisen. Dann fliegen wir direkt über die City Richtung Heathrow. Dort kreisen wir, eingereiht in die Kette von Flugzeugen, die im Minutentakt landen.
In Heathrow haben wir planmäßig gut zwei Stunden Aufenthalt. Leider ist ein Teil an der Tür des Flugzeugs kaputt. Die Reparatur dauert eine Stunde. Nach dem Boarding sitzen wir eine weitere Stunde im warmen Flugzeug - die Klimaanlage funktioniert nur beim Fliegen… Dann setzt das Flugzeug endlich vom Gateway zurück. Eine weitere halbe Stunde später sind wir endlich in der Luft.
Nach diesen Strapazen ist der Flug um so angenehmer. Das Essen schmeckt, die Filme sind passabel und die Zeit vergeht - wie im Fluge, genau. Nach gut 11 Stunden befinden wir uns im Landeanflug auf Mexiko Stadt. Es ist schon dunkel, und man sieht die Lichter der Stadt bis zum Horizont. Schön.
Mit dem Taxi fahren wir zum Hotel. Das Taxisystem ist übrigens wirklich super: Man kauft sich bereits im Flughafengebäude ein Taxi Ticket und steigt damit einfach in ein Taxi. Am Hotel bekommen wir ein mulmiges Gefühl. Die Gegend sieht ein bisschen unheimlich aus, ganz anders als wir uns das vorgestellt haben. Die Sicherheitsmaßnahmen des Hotels verstärken das Gefühl nur. Nach dem Klingeln öffnet sich ein kleines vergittertes Guckloch in der dicken Tür. Ein Security-Türsteher will unsere Reservierungsnummer wissen - der Name reicht nicht aus! Irgendwie kriegen wir das so spät am Abend noch hin und bekommen zur Belohnung ein schnuckeliges Zimmer zum Hof. Schlafen.
Samstag, 12.7.2003
Die Zeitverschiebung (7 Stunden) macht sich bemerkbar.
Wir wachen früh auf und genießen ein gigantisches mexikanisches Frühstücksbuffet. Um diese Uhrzeit ist es noch leer im Hof.
Wir haben die Säfte, das Obst, das Müsli, Bohnen, Tortillas und andere leckere Speisen für uns alleine. Dazu gibt es aromatischen Kaffee. Himmlisch.
Gestärkt ziehen wir los zu einem ersten Bummel durch das historische Zentrum. Wir gucken uns den Parque de Alameda vor unserer Haustür an, der bei Tageslicht einen überaus netten Eindruck macht.
Weiter gehts zum Torre Latinoamerica. Wir fahren auf die Aussichtsplattform des Hochhauses, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen.
Leider ist es zu dunstig, um wirklich viel zu sehen. Trotzdem toll. Ein netter Security-Mensch erzählt uns ein bisschen was zu dem, was man sieht - oder bei klarer Sicht sehen könnte.
Wir ziehen weiter zum Zócalo, dem zentralen Platz. Irgendwie ist das einfach nur ein riesiger Platz. Mit einer Fahne in der Mitte. Gesäumt von Prachtbauten und der Kathedrale.
Wir lassen uns treiben und schlendern über einen riesigen Straßenmarkt. Ein Gewusel von Menschen. Man fühlt sich wie eine Ameise.
Wir gehen noch ein bisschen durch die Straßen, bevor wir uns hinter der Kathedrale auf der Dachterrasse vom Casa de las Sirenas ausruhen. Dort genießen wir die tolle Aussicht auf die Kathedrale, den Zócalo und das bunte Treiben.
Zur Siesta begeben wir uns zurück ins Hotel. Dort spielen Mariachis im Hof, dazu Vogelgezwitscher. Eine Oase mitten in der Riesenstadt.
Ausgeruht fahren wir mit der U-Bahn ins Viertel Colonia de Condesa. Dort soll es sehr nett sein, eine hippe Gegend, wenig Touristen. Ich weiß nicht, was so toll sein soll. Ein paar Straßencafés - nicht außergewöhnlich einladend, in denen man ständig angequatscht wird. Wir essen eine Kleinigkeit und ziehen weiter. Eigentlich wollen wir noch in den Parque Chapultec. Wir finden aber keinen Eingang und fahren zurück zum Hotel. Dort genehmigen wir uns noch einen Absacker im Hof und gehen früh schlafen.
Sonntag, 13.7.2003
Wir genießen wieder das tolle - und heute gut besuchte - Frühstücksbuffet.
Danach gehts zum Parque Chapultec. Dort sehen wir, dass wir am Vorabend gar nicht mehr in den Park gekommen wären - er schließt nämlich schon nachmittags!
Es herrscht Jahrmarktstimmung. Die Leute machen ihren Sonntagsausflug, führen ihre Kinder an der Leine, kaufen dies und essen das… Faszinierend.
Wir schlendern zum Museo Nacional de Antropologia am Rand des Parks. Voladores, “fliegende Menschen”, führen gerade touristenwirksam ihr Zeremoniell vor. Sie seilen sich - kreiselnd in der Luft schwebend - von einem über 20m hohen Mast zu Boden. Musikalisch untermalt wird das ganze durch einen Flötenspieler auf dem Mast. Diese mutigen Männer sind garantiert schwindelfrei. Das Zeremoniell ist so eine Art Regentanz. Vielleicht aber auch ein Sonnenkult. Wer weiß…
Das Museum ist toll. Architektonisch und inhaltlich. Wir gucken uns die Maya Ausstellung an, danach schlendern wir einfach durch die weiteren Hallen und Gärten. Zwischendurch ruhen wir uns im Innenhof am Teich und der riesigen Wassersäule aus.
Zu Fuß gehts in die Zona Rosa, vorbei an einer tollen Foto-Ausstellung am Zaun des Parks, die Mexikos vielfältige Natur zeigt. Leider habe ich mir die Web-Adresse falsch aufgeschrieben… www.mexiconaturalesaviva.com stimmt wohl nicht…
Wir fühlen uns ein bisschen wie in Berlin, als wir an der Goldelse vorbeikommen. In der Zona Rosa gibt es einen Caffe Latte. Die Füße qualmen und wir nehmen die Metro zurück zum Hotel.
Die Tage hier strengen einen ganz schön an! Essen im Hotel. Schlafen.
Montag, 14.7.2003
Wir stehen früh auf und fahren mit einem Bus vom Busbahnhof “Autobuses del Norte” zu den Pyramiden von Teotihúacan in der Nähe von Mexico City.
Teotihúacan beeindruckt uns sehr. Die beiden Pyramiden sind gigantisch und die Vorstellung, dass hier zwischen 200 und 500 n.Chr. einmal um die 200.000 Menschen gewohnt haben, ist überwältigend. Wer diese Menschen waren, ist ziemlich unklar. Erwiesen ist wohl nur, dass die Azteken um 1250 hier ankamen und die Stadt zu dem Zeitpunkt schon mindestens 500 Jahre verlassen war. Komisch, wer verlässt eine solche Großstadt, also, selbst, wenn sie zerstört war…
Außer den Bauwerken können wir noch ein einmaliges Wetterphänomen bewundern: Um die Sonne haben sich mehrere Wolkenringe gebildet, die teilweise ineinander verschlungen sind und teilweise von Regenbogen umgeben sind. Ein Zeichen der Götter?
Die Busfahrt über Dörfer ist ein bisschen abenteuerlich. Ein sich schließender Bahnübergang ist kein Hindernis. Man hört, wie die Schranken auf dem Dach aufkommen. Das ist aber wohl nicht so schlimm, wir halten nicht einmal an.
Wir erkunden noch ein bisschen die Gegend rund ums Hotels und gucken uns die schöne Kirche gegenüber an. Im Hotel musizieren wieder die Mariachis. Siesta.
Abends gehen wir mexikanisch Essen, in einem Lokal um die Ecke. Der weitere Plan für den Abend: Hotelbar. Doch das Erklimmen der Pyramiden in der dünnen 3000-Höhenmeter-Luft hinterlässt Spuren. Die Müdigkeit siegt. Bett statt Tequila.
Dienstag, 15.7.2003
Nach dem ausgiebigen Frühstück (natürlich Buffet, endlich haben wir auch Quesadillas und Sopes entdeckt) fahren wir ins Stadtviertel Coyoacan. Irgendwann hat der Koloss von Stadt auch diese hübsche Siedlung vereinnahmt. Sicherlich eine bessere Gegend, den dicken Mauern und Security-Mannschaften vor den Häusern nach zu urteilen. Aber sehr hübsch.
Wir gucken uns den Plaza Hidalgo, den Jargin del Leviano und den Plaza de la Conchita an, streifen durch eine Markthalle und besuchen das Museo Frida Kahlo. In einem netten Cafe trinken wir einen (verhängnisvollen?) Frucht-Frappé.
Nach der obligatorischen Siesta mit Mariachi-Musik gehen wir wieder Richtung Zócalo. Regen! Oh nein! Wir stellen uns in der Post unter, einem gigantischen Gebäude und gucken zu, wie ein Film gedreht wird. Der Regen hört bald wieder auf.
Wir besichtigen die Kathedrale. Die ist wirklich ziemlich schief, das kann man an einem Pendel im Mittelgang sehen. Der Baugrund ist halt nicht der beste, und auf der einen Seite ist das Gebäude ziemlich abgesackt.
Hinter der Kathedrale ist eine Jugendherberge, eine ziemlich nette sogar, mit einem Internetcafe. Wir können es nicht lassen.
Zum krönenden Abschluss des Abends genehmigen wir uns ein leckeres Essen im Casa de las Sirenas und trinken Tequila.
(Ursprünglich veröffentlicht auf www.letzthin.de.)