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Ankunft in Johannesburg
Am 29. Februar saß ich im Flieger nach Johannesburg:
Das Gute an Langstreckenflügen ohne großen Zeitunterschied zwischen Start- und Zielort ist, dass man nachts fliegen kann. Natürlich ist so ein Flug schon strapaziös, aber mit einer kleinen Mütze Schlaf und ohne den Jetleg ist das alles viel leichter zu ertragen. Gute Voraussetzungen also für einen tollen Start in den Urlaub.
Olli holte mich am „O R Tambo International Airport“ zu meiner großen Überraschung und Freude selber ab, und wir verbrachten den Tag mit Hotelbesichtigung, Erkundung der näheren Umgebung und Entspannung.
Upington und die „Augrabies Falls“
Am nächsten Morgen ging es mit dem Flieger weiter nach Upington. Dort erhielten wir vorerst nur einen Ersatzwagen von der Autovermietung, allerdings mit dem Versprechen, dass uns unser eigentlich bestellter Geländewagen gebracht werden sollte. Das Versprechen wurde eingehalten, und wir bekamen glücklicherweise sogar die 4×4-Version. Der Allradantrieb sollte uns noch gute Dienste erweisen.
Der Nationalpark „Augrabies Falls“ liegt in der Nähe von Upington mitten in der Wüste. Nur der Orange River, der von den Drakensbergen durch ganz Südafrika Richtung Westen fließt, bringt etwas Leben in den Landstrich. Soviel, dass bei Upington sogar Wein angebaut werden kann.
Der Fluss stürzt bei Upington die „Augrabies Falls“ hinunter. Wir konnten das Spektakel aber wegen des relativ niedrigen Wasserstands nur erahnen – wir sahen einen großen, aber keinen gigantischen Wasserfall.
Wir bestaunten im Nationalpark Giraffen und die Landschaft, erlebten bei Upington eine tolle, persönliche Weinprobe und fragten uns so langsam, wie wir die anstehende Paddeltour bei Temperaturen von 40° C überstehen sollten.
Paddeln auf dem Orange River
Unsere Befürchtungen wuchsen, je näher wir dem Ausgangspunkt für die organisierte Paddeltour kamen. Die Landschaft wurde immer karger, die Temperaturen nicht gnädiger.
Die Tour war für ein Stück des Orange Rivers geplant, in dem der Fluss die Grenze zwischen Südafrika und Namibia bildet. Ziel der Tour war auf namibischem Boden. Daher mussten wir zunächst die Ausreiseformalitäten erledigen – ein spannendes Unterfangen: Zuerst in Südafrika „abmelden“, dann zum namibischen Grenzposten fahren, dort „anmelden“ und wieder zurück nach Südafrika fahren. Da in diesem Gebiet viele Paddeltouren stattfinden, ist das aber nichts Außergewöhnliches, und das Prozedere war schneller vorbei als gedacht.
Unsere „Tourguides“ begrüßten uns herzlich, wir versuchten uns ein wenig zu akklimatisieren und lernten abends die drei Crewmitglieder Max, Joe (weiblich!) und Ben, unsere einzigen beiden Mitpaddler Janine und John aus Johannesburg sowie den Campleiter beim gemütlichen Abendessen kennen. Wir hatten Glück, dass die Tour bei nur vier Teilnehmern überhaupt zustande gekommen war.
Die Tour sollte uns vier Tage und drei Nächte mitten durch die Wildnis führen. Es war ein absolut unvergessliches Erlebnis. Max, Joe und Ben kümmerten sich nicht nur beim Paddeln großartig, sondern schleppten Unmengen von Eis, Lebensmitteln und Ausrüstung mit, bekochten uns vortrefflich und sorgten jederzeit für gute Stimmung.
Die parallel zu uns reisende Großgruppe ließen sie immer wieder „alt“ aussehen – sei es durch eine Jacuzzi-Pause im Bachzulauf oder den schöneren Lagerplatz. Als uns die andere Gruppe einmal den vermeintlich besseren Platz weggeschnappt hatte, bauten unsere Guides kurzerhand die Tische im seichten Wasser auf.
Wir überwanden alle Stromschnellen ohne Kentern, erlebten ein Unwetter, wurden morgens von Pavianschreien geweckt, schauten John beim Angeln und einem Hirten beim Paddeln auf einem Gummireifen zu, ließen uns im Wildwasser mit Schwimmwesten treiben, trotzten der Hitze… und erlebten ein vortreffliches Abenteuer.
Wir hatten es so arrangiert, dass unser Wagen zum Abholpunkt in Namibia gebracht worden war. So konnten wir von dort unsere Tour direkt fortsetzen.
Wir fuhren zum Fish River Canyon, der nach dem Grand Canyon in Amerika als zweitgrösster Canyon der Welt gilt.
Doch zuerst mussten wir dort hingelangen, und die Fahrt gehörte sicherlich zu den abenteuerlichsten der ganzen Reise. Nachdem wir die asphaltierte Straße verlassen hatten, unterbrachen immer wieder kleine Bäche die Straße, doch unser Allradwagen meisterte das alles ohne Knurren. Aber dann standen wir plötzlich vor einem reißenden Bach. Auf der gegenüberliegenden Seite betrachtete bereits ein „City Golf“-Fahrer kritisch die Situation an der mehr als kniehohen Abbruchkante. Glücklicherweise kam uns ein „Ranger“ (ein „Hüter“ des Nationalparks) mit seinem Wagen entgegen, setzte problemlos auf unsere Seite „über“ und meinte auf Olivers Frage, ob wir wohl auch in unsere Richtung durchkommen würden: „Ihr nicht, aber ich kann euch den Wagen durchfahren.“ Gesagt, getan. Leider ging alles viel zu schnell, und ich konnte die Aktion nicht mal mehr fotografieren. Wir watschelten unserem Wagen hinterher und leisteten dem (deutschen) Golffahrer noch etwas Gesellschaft. Ob er es noch versucht hat? Hoffentlich nicht!
Am nächsten Tag fuhren wir zum Aussichtspunkt des Canyons. Wanderungen in den Canyon sind verboten, es war aber eh viel zu heiß für körperliche Ertüchtigung, und wir fuhren weiter nach Aus.
Wildpferde in Aus
Der kleine Ort „Aus“ liegt auf dem Weg Richtung Westen an einer sehr gut ausgebauten und asphaltierten Nationalstrasse. Westlich von Aus beginnt die Dünen-Namib, und hier konnten wir die bekannten Wildpferde von Aus beobachten.
Die südafrikanische Kavallerie lagerte 1915 im Kampf gegen die Deutsche Schutztruppe mit 1.700 Pferden in dieser Gegend, als die Tiere durch einen deutschen Fliegerangriff in Panik gerieten. Sie flüchteten in die Wüste und konnten nicht wieder eingefangen werden. Die Herde konnte sich an die extremen Lebensbedingungen in der Wüste anpassen – zur Freude der Touristen. Wir genossen bei Sonnenuntergang die ganz besondere Stimmung.
Endlich kamen wir auch einmal zum Waschen –- nach der Tour auf dem Orange River hatten wir kaum noch Klamotten, die nicht braun eingefärbt waren. Das Waschen half nur mäßig gegen die Farbe, sorgte aber für Belustigung bei anderen Reisenden.
In Lüderitz an der Atlantikküste ließen wir unsvom Wind erstmal so richtig durchpusten, erkundeten das Städtchen und seine Umgebung und besichtigten die Geisterstadt Kolmanskop:
Im Jahre 1908 begann bei Lüderitz der Diamantenrausch. Innerhalb von zwei Jahren entstand mitten in der Sandwüste ein Ort mit Kasino, Schule, Krankenhaus, Kegelbahn und Wohnhäusern.
Als nach dem Krieg die Diamantenfunde stark zurückgingen und weiter südlich erheblich grössere Diamanten auftauchten, wurde Kolmanskop zur Geisterstadt.
Keetmanshoop/ Köcherbaumwald
Auf dem Weg zum Nationalpark „Kgalagadi Transfrontier Park“ legten wir am Köcherbaumwald bei Keetmanshoop noch eine Zwischenstation ein. Das Camp, in dem wir unser Zelt aufschlugen, hielt unter anderem Geparden. Wir konnten zur Fütterung mit ins Gehege gehen und den anmutigen Tieren aus nächster Nähe beim Fressen zusehen. Angeblich ganz ungefährlich.
Da sich am Köcherbaumwald aber auch ganz furchtbar große Insekten tummelten, packten wir am nächsten Morgen schnell unsere sieben Sachen und fuhren weiter.
Kgalagadi Transfrontier Park
Die letzte große Station war der Nationalpark an der Grenze zwischen Namibia, Botwana und Südafrika. Wir übernachteten in drei verschiedenen Camps, unternahmen viele Fahrten durch den Park, um Tiere zu beobachten, genossen die Abende am „Braai“ – dem Grill – und hörten in einer Nacht im Zelt sogar die Löwen brüllen.
Die Erlebnisse waren unbeschreiblich. Wir beobachteten Löwinnen mit Jungtieren, männliche Löwen bei der Siesta und beim Bewachen ihrer Beute, wir sahen Unmengen von Giraffen, Gemsböcken, Schakalen, „Red Hartebeest“, „Blue Wildebeest“ und viele, viele andere Tiere. Nur leider keine Leoparden. Wir entdeckten unser Interesse an Greifvögeln und hatten abends nicht nur vom Sitzen und Gucken, sondern auch von den geriffelten Schotterpisten Nackenschmerzen. Gut, dass wir nicht zusätzlich seekrank wurden – die Fahrten über die Hügellandschaft standen einer Berg- und Talbahn mitunter nichts nach.
Johannesburg
Damit war unsere Rundtour zu Ende; wir fuhren zurück nach Upington und gaben den Wagen ab. Danach verbrachten wir noch ein paar Tage in Johannesburg. Ich schaute mir Museen an und nahm an einer Führung durch Soweto teil. Und wir erlebten noch einen romantischen „Load Shedding“-Abend im Restaurant George‘s –- bei Kerzenschein und dem besten Steak der Welt.
Ostern in Kapstadt und Umgebung
Die Ostertage verbrachten wir in der Gegend von Kapstadt. Leider hatte unser Flug dorthin enorme Verspätung, so dass wir unsere erste Unterkunft auf einem Weingut bei Franschhoek nur einen kurzen Abend lang genießen konnten.
Abends fuhren wir nach Franschhoek und ließen uns mit einem Degustationsmenü so richtig verwöhnen – zu jedem Gang gab es einen besonderen Wein der Gegend. Eine Gaumenfreude ohne Worte.
In Kapstadt ließen wir den Urlaub gebührlich ausklingen, bevor ich am Ostermontag abends den Flieger nach Deutschland bestieg und Oliver zurück nach Johannesburg flog.

